Titelgrafik: Kaufen vs Mieten, Wohneigentum entscheiden

Immobilien

Kaufen vs Mieten: Wohneigentum entscheiden

Von Daniel Ohiggins · Veröffentlicht: 13. Oktober 2026 · 16 min Lesezeit

Drei Fragen statt einer

Kaufen oder mieten wird meist als eine einzige Frage gestellt und dann mit einer einzigen Zahl beantwortet, etwa der Kreditrate gegen die Kaltmiete. Das führt regelmäßig in die Irre. Hinter der Entscheidung stecken drei getrennte Fragen, und jede braucht ihre eigene Rechnung:

  1. Tragbarkeit. Kannst du die komplette Eigentümerbelastung dauerhaft tragen: Rate, Hausgeld, Grundsteuer, Instandhaltung, plus eine Reserve für das Unvorhergesehene?
  2. Vermögen. Welche Variante führt am gewählten Enddatum zu mehr Nettovermögen: Eigentum minus Restschuld oder Miete plus konsequent angelegtes Kapital?
  3. Lebensplanung. Passt das Objekt wahrscheinlich so lange zu deinem Leben, wie die Rechnung es braucht? Job, Familie, Gesundheit und Mobilität entscheiden hier mit.

Die erste Frage ist eine Vorfrage: Eine Wohnung, die du dir nicht dauerhaft leisten kannst, gewinnt keinen Vermögensvergleich, egal wie gut die Rendite aussieht. Die zweite Frage ist die entscheidbare Kernrechnung, und sie ist der Schwerpunkt dieses Artikels. Die dritte Frage kann die Antwort kippen, auch wenn die Zahlen gut aussehen, denn ein erzwungener Verkauf nach fünf Jahren ist die teuerste Variante von allen.

Deutschland bleibt ein Mieterland

Zur Einordnung: Deutschland ist in der EU das Land der Mieter. Nach Destatis/EU-SILC wohnten 2025 52,8 % der Bevölkerung zur Miete, der höchste Anteil aller Mitgliedsländer. Die haushaltsbezogene Eigentumsquote liegt mit 41,9 % (Stand 2022) ebenfalls deutlich unter dem EU-Niveau von rund 68 % Eigentümerhaushalten. Das ist keine Schicksalsfrage, sondern Ergebnis von Angebot, Preisniveau und Mietrecht. Es bedeutet aber auch: Der Vergleich Kaufen gegen Mieten ist hierzulande keine Randnotiz, sondern die Normalentscheidung, die Millionen Haushalte jedes Jahr neu treffen.

Mehrfamilienhäuser in einer deutschen Innenstadt: die meisten Wohnungen darin stehen zur Miete

Der Markt bewegt sich derzeit wieder, aber nicht gleichmäßig. Der vdp-Preisindex meldet für Q2 2026 +1,9 % für Wohnimmobilien zum Vorjahresquartal, Eigentumswohnungen +2,6 %. Die Neuvertragsmieten zogen mit +3,2 % stärker an. Die ImmoScout24-Angebotsdaten zeigen für Q3 2026 bundesweit +4,1 % bei den Kaufpreisen, aber Quartalsrückgänge in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart. Eine neue Preisrallye ist das nicht, und die einzelnen Reihen widersprechen sich methodisch bedingt. Für deine Entscheidung zählt am Ende das konkrete Objekt, nicht der Index.

Der Kaufpreisfaktor: die erste Sortierung

Die einfachste Screening-Zahl ist das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahreskaltmiete:

Faktor = Kaufpreis / (Monatskaltmiete × 12)

Bei Faktor 20 entspricht die Jahreskaltmiete 5 % des Kaufpreises, bei Faktor 25 sind es 4 %, der Kehrwert ist die rechnerische Bruttomietrendite. Die verbreitete Faustregel liest sich so: unter 20 günstig, 20 bis 25 üblich, über 25 teuer. DKB und Finanztip verwenden diese Skala, DKB rechnet die Erwerbsnebenkosten ausdrücklich mit in den Zähler. Der Faktor ist eine erste Sortierung, keine Entscheidung: Er kennt weder Zins noch Instandhaltung noch deine Nutzungsdauer.

So sieht die Skala in den großen Städten aktuell aus. Grundlage sind die ImmoScout24-WohnBarometer-Reihen für Q3 2026, Kaufpreise für Bestands-Eigentumswohnungen gegen Angebotskaltmieten für Bestandswohnungen:

StadtKaufpreis Bestand €/m²Angebotskaltmiete €/m²/MonatFaktor (Jahreskaltmieten)
Stuttgart4.75015,2825,91
Köln4.47113,2028,23
Leipzig3.0749,0828,21
Frankfurt am Main5.38515,2129,50
Düsseldorf4.61112,8929,81
Berlin4.87913,2330,73
Hamburg5.31913,4133,05
München8.30920,2034,28

Bundesweit liegen Bestandswohnungen bei 2.653 €/m² Kaufpreis und 9,01 €/m² Angebotskaltmiete. Der HWWI/Postbank Wohnatlas 2026 errechnet für die Regionen Deutschlands im Durchschnitt einen Vervielfältiger von 24,4 und stuft in 284 von 400 Regionen den Kauf relativ zur Miete günstiger ein als im Vorjahr. Die Botschaft der Tabelle: In keiner der acht größten Städte liegt der Faktor unter 20. Die Faustregel ist als flächendeckende Kaufempfehlung damit wenig hilfreich, sie sortiert nur vor. Und sie vergleicht standardisierte Referenzobjekte, nicht deine konkrete Wohnung gegen deine konkrete Mietalternative.

Wohnstraße in Oppenheim, Rheinland-Pfalz: außerhalb der Metropolen sieht das Preis-Miet-Verhältnis anders aus

Zwei Fallstricke beim Faktor: Erstens dürfen verschiedene Datenserien nicht gemischt werden. Der Wohnatlas beschreibt das Datenjahr 2025, der Baufi24-Mietrenditeatlas das erste Halbjahr 2026, kommunale Mietspiegel erfassen Bestandsverträge nach eigener Methodik. Zweitens misst der Faktor das Preisniveau, nicht die Amortisation. Ein Objekt bei Faktor 25 mit starker Lage kann wirtschaftlich sinnvoller sein als eines bei Faktor 18 mit schrumpfender Nachfrage.

Warum Rate gegen Kaltmiete nicht reicht

Der häufigste Rechenfehler ist der direkte Vergleich von Kreditrate und Kaltmiete. Er scheitert an drei Punkten:

  • Die Rate enthält Tilgung. Tilgung ist kein verbrauchtes Geld, sie senkt die Restschuld. Die Zinszahlung allein ist der echte Wohnaufwand.
  • Der Eigentümer zahlt mehr als die Rate. Hausgeld, Grundsteuer, Instandhaltung, Versicherungen und Verwaltung kommen dazu. Ein Teil davon trägt auch der Mieter über die Betriebskosten, aber nicht alles.
  • Der Mieter hat Kapital frei. Das Eigenkapital, das der Käufer in die Immobilie steckt, kann der Mieter anlegen. Diese Opportunitätskosten gehören auf die Mietseite der Rechnung.

Die saubere Zuordnung sieht so aus:

PostenKaufseiteMietseite
KreditrateLiquiditätsbelastung, davon Zins = Aufwand, Tilgung = Vermögensaufbauentfällt
Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Courtage)einmalig, 7 bis 12 % des Kaufpreisesentfällt
HausgeldBetriebskosten + Verwaltung + Rücklage; nur Verwaltung und Rücklage sind echte Zusatzkosten gegenüber der MieteBetriebskosten über die Nebenkostenabrechnung
Grundsteuerdirekte Steuerlastkann als Betriebskostenposition umgelegt werden
InstandhaltungEigentümer trägt sie vollständigüberwiegend durch die Miete abgedeckt
Eigenkapitalgebunden, entgangene Anlagerenditefrei investierbar
Wertentwicklungunsicher, wirkt aufs Endvermögenentfällt, dafür Rendite der Kapitalanlage

Der Doppelzählungsfehler steckt fast immer beim Hausgeld: Es enthält häufig eine Instandhaltungsrücklage der Eigentümergemeinschaft. Wer das volle Hausgeld ansetzt und dieselbe Rücklage nochmals als separate Erhaltungsposition rechnet, belastet den Kauf doppelt. Die Aufteilung steht im Wirtschaftsplan der WEG. Umgekehrt gilt: Nicht umlagefähige Verwaltung und die Rücklage sind echte Mehrkosten, die der Mieter nicht hat.

Die saubere Rechnung: Vermögensvergleich

Das Standardverfahren, das auch Finanztip und Stiftung Warentest verwenden, vergleicht zwei Haushalte mit identischer Ausstattung: gleichwertige Wohnung, gleiches Anfangsvermögen, gleiches monatliches Wohnbudget. Der Käufer setzt sein Kapital in Eigenkapital und Nebenkosten ein, der Mieter legt dasselbe Kapital an. Jeden Monat investiert die günstigere Seite die Differenz. Am Stichtag gilt:

Käufervermögen = Immobilienwert − Restschuld + Ersparnisse − Verkaufskosten

Mietervermögen = angelegtes Kapital + monatliche Differenzen

Der Vermögens-Break-even ist der erste Zeitpunkt, an dem der Käufer vorn liegt und bleibt. Wir haben dieses Modell für vier Szenarien durchgerechnet, mit offengelegten Annahmen: 80 m², 20 % Eigenkapital für den Kaufpreis zuzüglich 10 % Nebenkosten aus eigenen Mitteln, 4,00 % Sollzins bei 2 % Anfangstilgung, Hausgeld 425 € (davon 100 € WEG-Rücklage), Grundsteuer 25 €, Instandhaltung 1,5 % des Kaufpreises pro Jahr, Mietsteigerung 2,5 %, Wertsteigerung 1,5 %, ETF-Rendite 6 %. Die Kaltmieten und Quadratmeterpreise für München und Frankfurt stammen aus dem WohnBarometer Q3 2026, die Fälle A und B sind stilisierte Beispiele:

FallKaufpreisKaltmieteFaktorKauf: MonatsbudgetMiete: WarmmieteBreak-even
A: mittlere Großstadt400.000 €13,00 €/m²32,052.450 €1.340 €keiner bis Jahr 40
B: günstigere Region250.000 €8,00 €/m²32,551.663 €940 €keiner bis Jahr 40
C: München664.720 €20,20 €/m²34,283.840 €1.916 €keiner bis Jahr 40
D: Frankfurt am Main430.800 €15,21 €/m²29,502.612 €1.517 €keiner bis Jahr 40

Das Ergebnis ist ernüchternd und wichtig zugleich: Unter diesen Annahmen erreicht der Kauf in keinem der vier Fälle innerhalb von 40 Jahren den Vermögens-Break-even. Nach zehn Jahren liegt das Käufervermögen in Fall A bei rund 209.000 €, das Mietervermögen bei rund 385.000 €. Der Grund ist nicht, dass Eigentum schlecht wäre, sondern die Kombination aus hohem Kaufpreisfaktor, hohen Nebenkosten, 1,5-%-Instandhaltungsansatz und einer ETF-Alternative, die mit 6 % rechnet. Wer als Ergebnis dieser Rechnung pauschal Mieten empfiehlt, überinterpretiert sie genauso, wie wer aus einer ImmoScout24-Schlagzeile pauschal Kaufen ableitet.

Zwei Hinweise zur Ehrlichkeit der Rechnung: Erstens ist die 1,5-%-Instandhaltung auf den vollen Kaufpreis bewusst konservativ, weil sie auch den Bodenwert mitrechnet, der nicht repariert werden muss. Zweitens setzt das Modell voraus, dass der Mieter die Differenz wirklich anlegt. Wer sie konsumiert, verliert den Vorteil, und die Tilgung wird zum erzwungenen Sparplan, den man nicht überspringen kann.

Was der Mieter mit dem Eigenkapital macht

Die Gegenposition zum Kauf ist nicht Nichts, sondern eine Kapitalanlage. Die Verbraucherzentrale nennt für die im MSCI World enthaltenen Aktien historisch rund 7,5 % pro Jahr in Euro seit 1970, Finanztip rechnet in seinen Beispielen mit 6 % als grobe Orientierung. Beides ist keine Zusicherung für die Zukunft: Zwischenzeitliche Verluste von bis zu 50 % sind dokumentierte Markterfahrung, und es gab Phasen von zehn bis 15 Jahren ohne nennenswerte Erträge.

Was das konkret bedeutet, zeigt die Verzinsung des Kaufpreis-Eigenkapitals aus Fall A, ohne weitere Einzahlungen und vor persönlichen Steuern:

Szenariorendite p.a.Nach 10 JahrenNach 20 Jahren
5 %130.312 €212.264 €
6 %143.268 €256.571 €
7 %157.372 €309.575 €

Der faire Vergleich ist noch größer: Der Mieter kann auch die 40.000 € Kaufnebenkosten anlegen und startet mit 120.000 €, dazu kommen die monatlichen Differenzen. Umgekehrt gilt nach der vollständigen Tilgung dasselbe für den Käufer, der dann sein früheres Budget in den ETF-Sparplan stecken kann. Die Rechnung belohnt auf beiden Seiten denselben Mechanismus: konsequentes, langfristiges Anlegen. Der Ersparnis-Ziel-Rechner zeigt, wie sich ein solcher Sparplan entwickelt, der Inflationsrechner ordnet die nominalen Zahlen real ein.

Wann Kaufen gewinnt und wann nicht

Die Modellrechnung kippt, wenn sich die Parameter verschieben. Die wichtigsten Stellschrauben aus unseren Sensitivitätsrechnungen:

  • Niedrigerer Kaufpreisfaktor. Ein zusätzlicher Modellfall mit 120.000 € Kaufpreis bei gleicher Miete von 640 € (Faktor 15,63) erreicht den Break-even im Basisfall nach zehn Jahren, allerdings mit einem Vorsprung von nur rund 70 € nach zehn und rund 33.800 € nach zwanzig Jahren. Die Schwelle ist empfindlich, keine Kaufgarantie.
  • Geringere Alternativrendite. Rechnet der Mieter nur mit 2 % statt 6 %, ergeben sich Break-even-Jahre zwischen 24 und 32 in den vier Hauptfällen. Bei 0 % Anlagerendite liegt der Break-even bei 14 bis 17 Jahren. Das ist keine Empfehlung, Geld unverzinst zu halten, sondern zeigt den Preis entgangener Rendite.
  • Höhere Mietsteigerung. Steigt die Miete mit 3 % statt 2,5 %, verkürzt sich der Abstand. In angespannten Großstadtmärkten ist das keine abstrakte Annahme.
  • Zins und Anschlussfinanzierung. Die Beispiele rechnen mit 4,00 %. Die Interhyp-Zinswoche 05. bis 11.10.2026 zeigt für zehnjährige Bindung 4,22 bis 4,62 % effektiven Jahreszins je nach Beleihungsauslauf, Dr. Klein listet für den 13.10.2026 einen Topzins von 4,06 % Sollzins. Jeder Prozentpunkt auf dem Anschlusszins nach der Bindung verschiebt die Rechnung spürbar.

Hausmodell auf Taschenrechner: die Kaufentscheidung ist zuerst eine Rechnung

Regionale Studien zeichnen dasselbe Bild. Der Postbank Wohnatlas 2026 identifiziert 51 von 400 Regionen, die einen Faktor unter 25 mit prognostiziertem realem Preiswachstum verbinden, etwa den Wartburgkreis mit Faktor 17,5. Eine Teilanalyse derselben Reihe findet in 59 Regionen eine günstigere Kreditbelastung als die Nettokaltmiete, überwiegend in ostdeutschen Kreisen. Beide Zahlen beschreiben verschiedene Fragestellungen und sind Orientierungen, keine Objektgarantien. Strukturschwache Regionen bieten günstige Einstiegspreise, aber auch schwächeren Wiederverkauf und dünnere Arbeitsmärkte. Die pauschale Formel billig gleich gut funktioniert nicht.

Die laufenden Kosten im Detail

Die Tragbarkeitsrechnung steht vor dem Renditevergleich, und sie scheitert in der Praxis meist an unterschätzten Nebenkosten. Die wichtigsten Posten:

Hausgeld. Bei Eigentumswohnungen nennt eine Hausverwaltung als Orientierung 3 bis 5 €/m² pro Monat, bei 80 m² also 240 bis 400 €. Darin stecken Betriebskosten, Verwaltung und die Instandhaltungsrücklage der WEG. Nur Verwaltung und Rücklage sind echte Zusatzkosten gegenüber der Miete, die Betriebskosten trägt der Mieter über seine Nebenkostenabrechnung ebenso.

Instandhaltung. Die verbreitete Faustregel von 1 bis 2 % des Kaufpreises pro Jahr ist ein grober Rahmen, keine Messgröße. Die II. BV setzt für preisgebundene Wohnungen zum 01.01.2026 angepasste Ansätze von 11,50 €/m²/Jahr (Gebäude unter 22 Jahre) bis 18,62 €/m²/Jahr (ab 32 Jahre) plus Aufschlag bei Aufzug an, nach Anpassung um 8,37 %. Die Verbraucherzentrale rechnet mit rund 2 % der Bausubstanz pro Jahr, ausdrücklich abzüglich des Grundstücksanteils. Ein Objekt mit hohem Bodenwert braucht nicht proportional teurere Reparaturen, ein sanierungsbedürftiges Altbauhaus braucht mehr als jede Faustregel. Vor dem Kauf: Bauteilzustand, Sanierungsplan und vorhandene Rücklage prüfen, nicht die Durchschnittsrate.

Grundsteuer. Nach der Reform setzt die Gemeinde den Hebesatz fest, nicht das Land. Die Spanne zwischen den Städten ist groß: Im IW-Modellhaushalt (Einfamilienhaus, 126 m², Baujahr 1990) liegen die Jahresbeträge in den 100 größten Städten im Mittel bei 545 €, von 258 € in Zwickau bis 1.377 € in Tübingen (Datenjahr 2025). Der Hebesatz deiner Gemeinde und der konkrete Messbescheid entscheiden, nicht der Bundesschnitt.

Betriebskosten und CO₂. Der Mieterbund weist für das Abrechnungsjahr 2024 durchschnittliche Betriebskosten von 2,67 €/m²/Monat aus. Bei der CO₂-Kostenaufteilung trägt der Mieter je nach Gebäudetyp einen gestaffelten Anteil zwischen 5 und 100 % der CO₂-Kosten, schlecht gedämmte Gebäude entlasten den Mieter zugunsten des Vermieters. Selbstnutzende Eigentümer tragen ihre CO₂-Kosten vollständig selbst.

Helles Wohnzimmer mit Dielenboden: Wohnqualität bleibt ein Konsumgut, auch in der Rechnung

Der Wohnkosten-Rechner stellt beide Seiten vollständig gegenüber, der Hauskauf-Nebenkosten-Rechner rechnet Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch für dein Bundesland aus, der Mortgage-Calculator zeigt Rate, Tilgung und Restschuld nach der Zinsbindung.

Recht und Steuern: die Rahmenbedingungen

Ein paar rechtliche Fakten verändern die Rechnung systematisch:

  • Verkaufsgewinn steuerfrei nach zehn Jahren. Nach § 23 EStG ist ein privater Verkaufsgewinn steuerpflichtig, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen. Ausnahme: ausschließlich eigene Wohnnutzung, alternativ Eigennutzung im Verkaufsjahr und den beiden vorangegangenen Kalenderjahren. Drei volle Jahre am Stück sind nicht nötig, das hat der BFH so entschieden. Diese Frist ist ein realer Grund, warum kurze Haltedauern wirtschaftlich gefährlich sind.
  • Kaufnebenkosten je Bundesland. Die Grunderwerbsteuer liegt zwischen 3,5 % (Bayern) und 6,5 % (NRW, Brandenburg, Saarland, Schleswig-Holstein). Bei 400.000 € Kaufpreis sind das allein 12.000 € Unterschied. Notar und Grundbuch kommen mit rund 1,5 % dazu, eine Maklercourtage je nach Vertrag. Insgesamt plane 7 bis 12 % des Kaufpreises als Nebenkosten ein, die DKB nennt als Obergrenze bis zu 15 %.
  • AfA gibt es nur bei Vermietung. Selbst genutztes Wohneigentum erlaubt keine Abschreibung und keine Zinsabsetzung, die Steuerprivilegien der Kapitalanlage-Wohnung betreffen den Selbstnutzer nicht.
  • Erbbaurecht als Sonderfall. Beim Erbbaurecht kaufst du das Gebäude, nicht den Boden, und zahlst einen Erbbauzins, verbreitet 3 bis 5 % des Bodenwerts pro Jahr. Nach der Tilgung läuft der Zins weiter, das ist der zentrale Unterschied zum Volleigentum.

Was Mieten riskiert: die andere Seite

Der Vermögensvergleich macht Mieten nicht automatisch zur sicheren Variante. Die mietrechtliche Gegenposition:

  • Mieterhöhungen. Nach § 558 BGB darf der Vermieter bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöhen, innerhalb von drei Jahren um höchstens 20 %, in angespannten Gebieten 15 %. Über Jahre summiert sich das spürbar, und die Neuvermietungsmieten steigen schneller als die Bestandsmieten.
  • Mietpreisbremse mit Auslaufdatum. Die Landesverordnungen zur Mietpreisbremse müssen spätestens zum 31.12.2029 außer Kraft treten. Sie begrenzt nur die Anfangsmiete bei Neuvermietung und hat Ausnahmen, etwa bei Modernisierung.
  • Eigenbedarf. Nach § 573 BGB kann der Vermieter für eigenen Bedarf oder Familienangehörige kündigen. Das Risiko ist real, wenn auch nicht jeder Eigentümerwechsel automatisch zum Auszug führt. Nach einer Umwandlung in Wohnungseigentum gelten unter § 577a Sperrfristen von drei bis zehn Jahren.
  • Keine Gestaltungsfreiheit. Haustiere, Ausbau, Einrichtung, Dämmung: Vieles hängt am Vermieter. Dieser Wohnwert ist nicht geldlich messbar, aber real.

Die Lebenserwartung gehört ebenfalls in die Überlegung: Destatis nennt für 2025 eine fernere Lebenserwartung ab 65 von 21,2 Jahren bei Frauen und 18,2 Jahren bei Männern. Wer mit 55 kauft, plant für eine Nutzungsphase, die statistisch 18 bis 21 Jahre umfasst, mit allen Unsicherheiten von Gesundheit, Pflegebedarf und Mobilität. Ein schuldenarmes, barrierearmes Objekt passt dazu besser als ein großes Sanierungsprojekt.

Lebensphasen: die qualitative Matrix

Die Zahlenrechnung beantwortet nicht alles. Diese Matrix sortiert die typischen Situationen:

LebensphaseSpricht eher für MietenKauf kann passen, wenn
Single am BerufseinstiegProbezeit, Stadtwechsel, unsicherer BedarfStandort stabil, Objekt auch langfristig passend
Paar vor FamiliengründungKinderzahl und Standort noch offenWohnraum und Betreuung realistisch feststehen
Familie mit SchulkindernJobwechsel oder Platzbedarf absehbarSchulweg, Betreuung und Raumbedarf zusammenpassen
Kinder ausgezogenZu viel Fläche, hohe Betriebskostenkleineres passendes Objekt tragbar
Kurz vor Rentehohe Restschuld, EinkommensfallBarrierefreiheit und Finanzierung auf Renteneinkommen passend
Häufiger Jobwechselhoher Mobilitätswertlokaler Arbeitsmarkt bietet Alternativen
Günstiger Bestandsmietvertragechte Miete unter Neuvermietungsniveaubesonders guter Kaufpreis oder hoher persönlicher Eigentumswert

Finanztip nennt als Planungsorientierung eine voraussichtliche Nutzungsdauer von zehn bis 15 Jahren als wichtigen Kaufcheck. Das ist keine Amortisationsgarantie, aber ein realistischer Mindesthorizont, um die Nebenkosten zu verteilen. Wer die eigene Nutzungsdauer nicht auf zehn Jahre schätzen kann, hat die Antwort auf die dritte Frage schon gefunden.

Häufige Fehler und Mythen

Miete ist weggeworfenes Geld. Der Mythos hält sich, weil die Miete am Monatsende weg ist und die Rate scheinbar in Eigentum fließt. In Wahrheit entstehen beim Kauf ebenfalls endgültige Ausgaben: Zinsen, Nebenkosten, Verwaltung, verbrauchte Instandhaltung, später Verkaufskosten. Nur die Tilgung baut Vermögen auf. Die fairere Frage lautet, welcher Haushalt bei gleicher Wohnqualität und gleichem Budget am Ende mehr Vermögen hat. Die kann der Mieter gewinnen, wenn er anspart, und der Käufer, wenn der Faktor niedrig ist.

Die ImmoScout24-Schlagzeile. Veröffentlichungen nach dem Muster Kaufen lohnt sich in mehr als der Hälfte Deutschlands vergleichen vor allem monatliche Kreditraten mit fortgeschriebenen Mieten. Ein Überschneiden dieser Zahlungsströme belegt keine Amortisation von Nebenkosten und entgangener Kapitalrendite. In einer der Analysen passen die publizierten Berliner Tabellenwerte zudem nicht zur eigenen Fortschreibungslogik, was wir bei der Nachrechnung bestätigt haben. Solche Studien als erste Orientierung lesen, nicht als Kaufempfehlung.

Die 20-%-Eigenkapital-Falle. 20 % vom Kaufpreis sind nicht dasselbe wie 20 % vom Gesamtbedarf. Wer bei 400.000 € nur 80.000 € liquide hat, zahlt davon zuerst 40.000 € Nebenkosten und finanziert 360.000 € statt 320.000 €. Das verschlechtert Zins und Belastung. Die Notgroschen-Rechnung gehört vor der Kaufrechnung.

Die Rücklage doppelt gezählt. Hausgeld plus volle Instandhaltungsrate überbewertet die Eigentümerkosten, wenn die WEG-Rücklage schon im Hausgeld steckt. Der Wirtschaftsplan zeigt die Aufteilung.

Emotion als Rendite getarnt. Der persönliche Wohnwert, der eigene Garten, die Gestaltungsfreiheit, der Schulweg, all das darf ein Kaufgrund sein. Es ist aber Wohnkonsum, keine Geldanlage. Beides offen benennen, dann kippt es die Rechnung nicht unbemerkt.

Der Ablauf auf einer Seite

  1. Drei Fragen beantworten: Tragbarkeit, Vermögenshorizont, Lebensplanung. Fällt eine aus, ist der Rest Theorie.
  2. Vergleichbare Objekte definieren: dieselbe Wohnqualität kaufen oder mieten, nicht die günstige Bestandsmiete gegen die Traumdoppelhaushälfte rechnen.
  3. Faktor berechnen: Kaufpreis durch Jahreskaltmiete. Unter 20 ist ein guter Ausgangspunkt, über 25 wird es zäh.
  4. Nebenkosten ausrechnen: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Courtage für dein Bundesland, plus Reserve.
  5. Eigenkapital klären: für Kaufpreis und Nebenkosten getrennt, Notgroschen bleibt außerhalb.
  6. Finanzierung durchrechnen: Rate, Zinsbindung, Restschuld am Ende der Bindung, Anschlusszinsszenario.
  7. Vermögensvergleich rechnen: beide Pfade mit gleichem Anfangsvermögen und gleichem Budget, mehrere Szenarien für Zins, Miete und Wertentwicklung.
  8. Laufende Kosten prüfen: Hausgeld mit Wirtschaftsplan, Instandhaltung nach Objektzustand, Grundsteuer aus dem Bescheid.
  9. Rechtlichen Rahmen prüfen: § 23 EStG-Frist, Mietrecht der Alternative, bei Erbbaurecht den Vertrag.
  10. Entscheiden und dokumentieren: welche Annahmen die Entscheidung tragen, und wo die Rechnung ins Wanken gerät.

Der Haushaltsbudget-Rechner prüft die Tragbarkeit im Monatsbild, der Miet-Finanzcheck die Mietseite, das Playbook Hauskauf & Finanzierung führt nach der Richtungsentscheidung durch die konkrete Finanzierungsplanung. Wer gerade erst in die eigene Wohnung zieht, findet im Playbook Erste eigene Wohnung den Einstieg, und der Artikel Hauskauf & Finanzierung behandelt die Kaufphase im Detail.

Häufige Fragen

Bedeutet ein Kaufpreis von 20 Jahreskaltmieten, dass sich der Kauf nach 20 Jahren lohnt?
Nein. Der Faktor beschreibt nur das Verhältnis von Kaufpreis und Jahreskaltmiete. Bei 20 liegt die rechnerische Bruttomietrendite bei 5 Prozent, das ist keine Rendite nach Finanzierung, laufenden Kosten und Verkauf. Ob der Kauf wirtschaftlich vorn liegt, zeigt ein Vermögensvergleich, der Immobilienwert und Restschuld gegen das alternativ angelegte Kapital des Mieters stellt.
Sind 20 Prozent Eigenkapital genug?
Es kommt darauf an, worauf sich die Quote bezieht. Bei 400.000 Euro Kaufpreis sind 20 Prozent Kaufpreis-EK 80.000 Euro. Kaufnebenkosten von grob 10 Prozent, also 40.000 Euro, kommen dazu. Insgesamt brauchst du 120.000 Euro liquide Mittel, zuzüglich einer Reserve, die nicht im Kauf aufgeht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Eigenkapital für den Kaufpreis zuzüglich Nebenkosten.
Ist Miete wirklich weggeworfenes Geld?
Nein, die Miete bezahlt die Nutzung der Wohnung. Auch beim Kauf entstehen endgültige Ausgaben: Zinsen, Kaufnebenkosten, Verwaltung und verbrauchte Instandhaltung. Nur die Tilgung baut Vermögen auf, und der Mieter kann dieselbe Summe stattdessen ansparen. Entscheidend ist der Vergleich gleichwertiger Wohnungen mit gleichem Anfangsvermögen, nicht das Schlagwort.
Ab wann lohnt sich Kaufen statt Mieten?
Es gibt keine feste Jahreszahl, die für alle Objekte gilt. In unseren Modellrechnungen mit hohem Kaufpreisfaktor erreicht Kaufen gegenüber Mieten plus ETF-Sparplan bis Jahr 40 keinen Vermögensvorteil. Ein Modellfall mit Faktor 15,63 kommt nach zehn Jahren erstmals vorn, mit knapp 70 Euro. Lange geplante Nutzung hilft, die Nebenkosten zu verteilen, die konkrete Rechnung entscheidet.
Muss ich Hausgeld und Instandhaltungsrücklage addieren?
Nur soweit die Rücklage nicht schon im Hausgeld steckt. Das Hausgeld enthält häufig eine WEG-Rücklage. Wer das volle Hausgeld ansetzt und dieselbe Rücklage nochmals als separate Instandhaltungsposition rechnet, zählt doppelt. Die Aufteilung steht im Wirtschaftsplan der Eigentümergemeinschaft.
Gewinnt Kaufen automatisch in günstigen Regionen?
Nein. Günstige Preise allein sagen nichts über das Verhältnis zur Miete. 250.000 Euro Kaufpreis bei 640 Euro Kaltmiete ergeben Faktor 32,55, obwohl die Wohnung absolut günstig ist. Dazu kommen Wiederverkauf, Arbeitsmarkt und Sanierungsbedarf vor Ort. Regionale Studien liefern eine Orientierung, keine Objektgarantie.

Dieses Handbuch ist eine allgemeine Orientierungshilfe und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Zinsen, Preise und Gesetze ändern sich, im Einzelfall entscheidet die konkrete Rechnung mit deinen Zahlen.

Quellen und Stand dieser Angaben

Die Marktzahlen in diesem Handbuch stammen aus den genannten Primärquellen und wurden zuletzt am 13. Oktober 2026 geprüft. Die Modellrechnungen sind eigene Szenarien mit offengelegten Annahmen, keine Prognosen. Anbieterangaben sind Selbstauskünfte der Anbieter.

  • vdp-Immobilienpreisindex Q2 2026: Wohnimmobilien +1,9 % zum Vorjahresquartal, Eigentumswohnungen +2,6 %, Neuvertragsmieten +3,2 %. vdpresearch.de, Bericht vom 18.08.2026
  • ImmoScout24 WohnBarometer Q3 2026, Kauf: Bestands-Eigentumswohnungen bundesweit 2.653 Euro/m², +4,1 % zum Vorjahr. veröffentlicht 02.10.2026, scout24.com
  • ImmoScout24 WohnBarometer Q3 2026, Miete: Angebotskaltmieten Bestand bundesweit 9,01 Euro/m², +2,5 % zum Vorjahr. veröffentlicht 01.10.2026, immobilienscout24.de
  • Interhyp Zinswoche 05.10. bis 11.10.2026: zehnjährige Bindung 4,22 bis 4,62 % effektiver Jahreszins je Beleihungsklasse, 15 Jahre 4,41 bis 4,78 %, 20 Jahre 4,51 bis 4,72 %. interhyp.de/zinsen
  • Dr. Klein Topzins 13.10.2026: zehnjährige Bindung 4,06 % Sollzins / 4,16 % effektiv bei 350.000 Euro Nettodarlehen. drklein.de/aktuelle-bauzinsen
  • HWWI/Postbank Wohnatlas 2026 (Datenjahr 2025): durchschnittlicher regionaler Kaufpreis-Jahreskaltmiete-Vervielfältiger 24,4; in 284 von 400 Regionen relativ zur Miete günstiger als im Vorjahr. presseportal.de
  • Baufi24 Mietrenditeatlas H1/2026: durchschnittliche Bruttomietrendite in 52 Städten 4,17 %. baufi24.de, Pressemitteilung 18.08.2026
  • Finanztip, Mieten oder Kaufen: Vermögensvergleich mit gleichem Anfangsvermögen, Nutzungsdauer zehn bis 15 Jahre als Planungsorientierung. finanztip.de/baufinanzierung/mieten-oder-kaufen
  • Finanztip, 30.05.2025: Kaufpreisfaktor über 25 Jahreskaltmieten eher teuer; Beispielrechnung mit 10 % Nebenkosten, 2 % Wertwachstum, 1 % Erhaltung, 3,8 % Zins. finanztip.de/daily/wann-mieten-dich-reicher-macht-als-kaufen
  • Stiftung Warentest, 18.01.2026: Vermögensvergleich Kaufen gegen Mieten; schon ein halbes Prozent in den Annahmen kann das Ergebnis kippen. test.de
  • Verbraucherzentrale, 14.11.2025: Eigenkapital für Kaufpreis zuzüglich Erwerbsnebenkosten; Erhaltung rund 2 % der Bausubstanz pro Jahr. verbraucherzentrale.de
  • Verbraucherzentrale, ETF-Investing: MSCI World seit 1970 historisch rund 7,5 % pro Jahr in Euro, zwischenzeitliche Verluste von bis zu 50 % möglich. verbraucherzentrale.de
  • Destatis/Eurostat EU-SILC, Berichtsjahr 2025: 52,8 % der Bevölkerung in Deutschland wohnen zur Miete, höchster Anteil in der EU. destatis.de
  • Destatis, Pressemitteilung 236 vom 07.07.2026: fernere Lebenserwartung ab 65 für 2025, Frauen 21,2 Jahre, Männer 18,2 Jahre. destatis.de
  • IW Köln, Q2/2026: Kaufpreise +0,8 % zum Vorjahresquartal, Angebotsmieten +4,0 %. iwkoeln.de
  • DKB Finanzwissen, Juni 2026: Faustregel unter 20 Jahreskaltmieten günstig, über 25 teuer, Erwerbsnebenkosten im Zähler berücksichtigen. dkb.de
  • Gesetze: § 23 EStG, § 558 und § 556d BGB, § 25 GrStG, § 28 II. BV, GNotKG Anlage 1 und 2, CO2KostAufG: gesetze-im-internet.de
  • VdW Bayern, II.-BV-Pauschalen ab 01.01.2026: Instandhaltungsansätze 11,50 / 14,58 / 18,62 Euro pro m² und Jahr je Gebäudealter, Anpassung +8,37 %. vdwbayern.de
  • Haus & Grund / IW Consult, Grundsteuerranking 2025: Muster-EFH in den 100 größten Städten im Mittel 545 Euro pro Jahr, Spanne 258 bis 1.377 Euro. hausundgrund.de
  • Deutscher Mieterbund, Betriebskostenspiegel (Abrechnungsjahr 2024): durchschnittliche Betriebskosten 2,67 Euro/m²/Monat. mieterbund.de